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Ein Helfer aus dem Camp EKO erzählt

12 Tage im Camp EKO

Ein persönlicher Bericht von Moritz Meyer-Sternberg

Hilfsfahrt von „Flüchtlingen Helfen e.V.“ nach Polykastro (Griechenland) – 18.04. bis 02.05.2016

Am 16. April 2016 habe ich mich per PKW von München aus auf den Weg nach Griechenland gemacht. Am 19. April 2016 bin ich schließlich im Camp EKO angekommen, das etwa 20 km südlich von Thessaloniki an der Grenze zu Mazedonien liegt. Mein Ziel war es, dort die EKO Kitchen zu unterstützen.

So hausten tausende Menschen an der Tankstelle EKO…
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 29.04.2016
…teilweise auf blankem Beton
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 28.04.2016

Mein Alltag im Camp EKO

Zu meinen ersten Aufgaben gehörte es, die Zusammenhänge und Organisationen zu verstehen und kennenzulernen. Zu jedem Projekt, das vor Ort arbeitet, gehören Helfer, die länger dort sind und zum Teil diese Projekte gegründet haben. Zusätzlich zu diesen Kernteams helfen Volunteers, die teilweise nur kurz dort sind oder sich dauerhaft einem Projekt anschließen. Außerdem gibt es eine Organisation, die die Projekte in den verschiedenen Camps koordiniert: sie vermitteln Helfer, betreiben ein Lager und organisieren Nachschub. Der Hauptsitz dieser Organisation befindet sich im Parkhotel am Ortseingang von Polykastro.

Während meiner Zeit im Camp EKO habe ich viele Menschen kennengelernt – jeder von ihnen hat auf seine eigene Art und Weise dazu beigetragen, das Leben der Menschen dort etwas erträglicher zu machen. Enger zusammengearbeitet habe ich selbst vor allem mit Tom Geisbüsch, der die EKO Kitchen gemeinsam mit einem anderen Helfer ins Leben gerufen hat. Weitere wichtige Personen waren für mich Quentin, ein 23-jähriger Franzose, der ausgebildeter Koch ist und die Küche koordiniert hat. Er war auch für den Einkauf der Lebensmittel zuständig – gemeinsam mit Hussam, unserem syrischen Chefkoch, der selbst im Camp lebt. Mit Josh, einem jungen Mann aus England, habe ich ein großes Küchenzelt aufgebaut. Immer wieder haben wir auch Hilfe von anderen bekommen, die uns zum Beispiel Werkzeug geliehen oder uns handwerklich unterstützt haben.

Tagsüber Spielplatz, abends Küche (vor dem Umbau)
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 19.04.2016

„Mich tröstete ein Junge, der alles verloren hat und der trotzdem spürte, dass ich seinen Trost benötigte“

Besondere Momente

Es gab viele spezielle Momente – vor allem die Begegnung mit den Menschen. Die Geflüchteten haben uns immer Dankbarkeit, Achtung und Gastfreundschaft entgegen gebracht. Die wenigen Dinge, die sie besitzen, haben sie mit uns geteilt, haben für uns gekocht und mitgeholfen, wo sie konnten. Der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung war enorm! Aber auch die Helfer haben ihr Bestes gegeben, um das Leben der Menschen dort leichter zu machen. Auch jetzt, nach meiner Rückkehr, bin ich immer noch mit diesen Menschen verbunden und dankbar dafür.

Gruppenfoto mit Helfern in der EKO Kitchen
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, im April 2016

Ein besonders bewegender Moment war, als eine Gruppe von Geflüchteten aus Aleppo in Syrien eine friedliche Demonstration abhielt. Alle waren in Rot gekleidet und hielten den umstehenden Fotografen mit traurigen und ernsten Gesichtern ihre Transparente entgegen. Bei diesem Anblick überkamen mich zum ersten Mal die Tränen und ich setzte mich etwas abseits hin, um meiner Traurigkeit freien Lauf zu lassen. Da setzte sich ein Junge neben mich. Er ist mir in der Essensschlange eigentlich immer sehr frech und anstrengend vorgekommen, aber jetzt versuchte er mich mit einem Lächeln zu trösten und mich aufzumuntern. Das hat mich sehr bewegt: mich tröstete ein Junge, der alles verloren hat und der trotzdem spürte, dass ich seinen Trost benötigte – obwohl eigentlich er allen Grund hätte, täglich zu weinen. Von diesen Begegnungen der besonderen Art gab es viele.

Ein Highlight anderer Art, nämlich in organisatorischer Hinsicht, war, als wir von einer Gruppe, die ein Zelt in ihrem Lager hatte, dieses von ihnen geschenkt bekommen haben – ohne eine Gegenleistung zu verlangen und ohne lange nachzudenken. Dieser Moment war etwas Besonderes, denn damit hat das Projekt zur Verbesserung der Bedingungen im Küchenzelt eine großartige Wendung genommen.

Friedliche Demonstranten aus Aleppo
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 30.04.2016
Ein junger Bewohner des Camp EKO mit Moritz Meyer-Sternberg
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 30.04.2016

Ein voller Erfolg

Die Hilfsfahrt war ein großer Erfolg: wir haben ein 6,5 x 12 Meter großes Zelt aufgebaut. Der Umbau hat 4 bis 5 Tage gedauert und wir haben es geschafft, nur an einem einzigen Tag davon nicht kochen zu können. Das neue Zelt hat eine viermal größere Grundfläche und eine neue Gasbrenner-Station, einen neu gebauten Ausgabetresen und einen PVC-Boden. All das sorgt für eine viel angenehmere Atmosphäre und Arbeitsumgebung.

Trotz all der Erfolge gibt es jeden Tag kleinere und größere Rückschläge: sei es, dass bei der Essensverteilung Stress und Gedränge herrschen oder Kinder sich einen Spaß daraus machen, mehr als eine Portion zu bekommen und man sich zusammenreißen muss, trotzdem geduldig zu bleiben. Oder es gibt Kämpfe im Camp, bei denen sich zeigt, wie dünn die Nerven der Menschen schon geworden sind. Einmal wurde auch unser (altes) Küchenzelt von einem starken Sturm total zerstört. Der oft lang anhaltende Regen erschwert die Lebensbedingungen zusätzlich. Letzten Endes gehören Rückschläge aber genauso dazu wie Erfolge. Aus ihnen lässt sich Kraft, Zusammenhalt und positive Energie gewinnen – somit haben uns Probleme niemals so stark beeinflusst, dass wir ans Aufgeben gedacht hätten.

Die Küche vor Errichtung des neuen Küchenzeltes…
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 21.04.2016
…in der mehrere Wochen gekocht wurde
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 21.04.2016

Last but not least: mein „Danke”

Einige Personen möchte ich im Speziellen hervorheben: zu allererst Tom Geisbüsch, der die Küche mit einem anderen Helfer ins Leben gerufen hat, und mit dem ich zu jeder Zeit in engem Kontakt war. Bernt aus Belgien, der uns erst beim Aufbau des Küchenzeltes geholfen hat und später als Chefkoch und Küchenhilfe in der Küche mitgearbeitet hat. Carmen und Tobi, die bei der Essensausgabe eine große Hilfe waren. Mohammed, der Leiter von Médecins Sans Frontières, der mit der Einberufung wöchentlicher Meetings die Zusammenarbeit der NGOs und Volunteer-Gruppen verbesserte. Phoebe Gilpin, die Koordinatorin des EKO Projects, die mit ihrer Liebe zu den Kindern und ihrer trotzdem sehr straighten Art einen großen Anteil am guten Geist im Camp hat.

Aber zu guter Letzt sind natürlich die Geflüchteten selbst zu nennen, die zum Team der Küche gehören, vor allem Chef Hussam, seine Frau und ihre liebreizenden Kinder. Chef Hussam hat bis zur Einführung eines Schichtplanes jeden Tag ca. 8 Stunden gearbeitet, außerdem wird sein Essen von allen Bewohnern geliebt. Yassin, ein 14-jähriger Syrer, hilft als Übersetzer und ist damit und mit seiner Fröhlichkeit ein wichtiger Part der Küche. Hassan, Deljad, Talib, Araz und Ali fingen als Küchenhilfen an, packten während des Baus des neuen Küchenzeltes mit an und arbeiteten oft schneller und zielorientierter als wir. Ein besonderer Dank gilt außerdem der sehr freundlichen und geduldigen Pächterin der Tankstelle, an der das Camp liegt. Sie stand uns Tag und Nacht für Fragen und Probleme zur Verfügung und hat großen Anteil daran, dass das Camp Eko sich so gut entwickelt hat.

Man merkt: die EKO Kitchen ist eine große Gemeinschaft und gerade das bestimmt den Geist der Küche. Kurden, Araber und Europäer arbeiten zusammen und ziehen an einem Strang!

Das neue Küchenzelt & Chef Hussam aus Syrien
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 21.04.2016
Auch im kleinen Zelt war ein geregelter Ablauf möglich…
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 20.04.2016
…im neuen Küchenzelt war ausreichend Platz für Vorbereitung, Kochen und die Distribution
EKO Gas Station, bei Polykastro, Griechenland, 29.04.2016
Alle Fotos: Moritz Meyer-Sternberg
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